Die Bastion - Gemeinsam für Azeroth
 
 

Es war ein für diesen Herbst ungewöhnlich heißer Tag. Die Luft flirrte wie immer - hier, wo das Land verbrannt ist., gebranntmarkt vom Bösen. Blitze schlugen immer wieder an der gleichen Stelle ein. Spannung lag in der Luft. Verbrannter Stein und verwesendes Fleisch zogen mit ihrem beißenden Geruch über die Landschaft.



Auf einem Hügel sah man schon von weitem eine große Festung mit einem großen Turm. Aus der Schmiede drang dicker Qualm. Wahrlich gut gepflegte Pferde standen im Stall. Hinter einem Gebäude auf einem Holzturm fand man den Greifenmeister, der sich um seine Tiere kümmerte. Ein Übungsstand hinter der Schmiede lud zu Waffenübungen ein. Immer freundlich sind die Wachen: Zwerge und Menschen. Schwer gerüstet in Plattenrüstungen patrouillierten sie auf den Mauern und Zinnen. Eine Ringmauer schützte die Festung und schwere Geschütze sollten den Feind schon vor dem riesigen Tor abschrecken.

Burg Nethergarde bildete ein Bollwerk gegen Tod und Verderbnis.
An einem klaren Herbsttag war auf der Burg ungewohnte Betriebsamkeit zu bemerken. Aus verschiedenen Richtungen trafen Besucher ein. Vor dem Tor der linken Bastion trafen sie aufeinander. Die Wachen bemerkten, dass sie sich musterten.. abschätzend und dann freundlich, aber noch distanziert begrüßten.


Einer der Wachen, ein noch junger Zwerg, fragte neugierig seinen Sergeanten, wer das denn sei und was sie hier wollten. Der ältere Zwerg strich über seinen grauen Bart und erklärte dem Rekruten folgendes:

„Seht Ihr die beiden Draenei... den Mann und die Frau? Das sind sind die Gildenmeister der Weltenwanderer: Satará Donneraxt und Tirahn Wipfeltanz. Sie kommen wohl ursprünglich von der Exodar. Aber fragt mich nicht.. dieses neu angekommene Volk ist schon merkwürdig. Allerdings verachten sie kein gutes Bier, was sie ja wieder sympathisch macht. Dann.. dort drüben die gut gekleidete Kaldorei und der kräftige Mann. Das ist Eladriel Winterglanz und Rahleg Hardroon, ein begabter Krieger. Sie ist .. glaube ich.. eine Druidin. Dann die weißhaarige Elfe.. die mit dem Zopf.. man nennt sie Thessália Shen`dralor, eine Priesterin und neben ihr eine weitere Druidin, Iriella Tränenpfad. Man erzählt, dass sie sich oft um Verletzte kümmert. Und der Paladin dort nennt sich Broland. Eladriel, Rahleg, Thessália, Iriella und Broland gehören den Entschlossenen an, die ihre Heimat vor kurzem verloren, aber nicht aufgegeben haben. Es gibt Gerüchte... aber die gehören nicht hierher.“

Der Zwerg schaut zum Greifenmeister, wo gerade noch zwei Besucherinnen ankamen.

„Dort, das ist Kiroscha , eine Zwergin und Laonali, wie Ihr seht eine Menschenfrau. Beide von den Weltenwanderern.“

Die Zwerge konnten beobachten, dass höfliche Begrüßungen mit ernster Miene ausgetauscht wurden.

Der Rekrut fragte neugierig: „Und was wollen sie hier?“


„Tja, Jungchen.. jetzt kommt endlich wieder Leben in die Bude. Sie haben angefragt, ob sie – falls es zu einem Zusammenschluss der alten Gemeinschaften kommt – hier ihr Hauptquartier aufschlagen können. Es geht gegen die Legion... unweit von hier ist ja das verdammte Portal. Und die Geißel regt sich im Norden auch wieder. Mir soll`s Recht sein und ich wird` mal zum alten Zwieselbart gehen und fragen, was das neue Bier macht. Wenn die sich einigen, sollen sie zünftig begrüßt werden.“
Mit diesen Worten nickte der alte Zwerg dem Rekruten zu und stapfte davon.

Mittlerweile schienen alle eingetroffen zu sein. Höfliche Begrüßungen wurden ausgetauscht. Sehr auffallend war, dass jeder ein ernstes Gesicht machte. Es lag etwas in der Luft. Schwere Entscheidungen mussten getroffen werden. Man bezog den Ratssaal in einer der Bastionen und setzte sich um einen großen Tisch herum.

„Draenei, dies heißt übersetzt: Heimatloser“, begann Satará, „Heimatlose, das sind wir. Vertrieben aus unserer Heimat Draenor und verfolgt von der Legion. So kam es, das nach der unsanften Landung der Exodar hier, auf eurer Welt Azeroth einige von uns den Entschluss fassten, nach einer neuen Heimat zu suchen. Die Weltenwanderer nannten wir uns. Und das taten wir auch. Wir wanderten von Welt zu Welt um endlich eine, nein, unsere Heimat wieder zu finden.“

Die Anderen – Kaldorei, Menschen und eine Zwergin – nickten dazu. Gut konnten sie das Bedürfnis, in diesen Zeiten einen Ort zu haben, den man Heimat nannte und wo man sich geborgen fühlen konnte, verstehen.

Rahleg, ein großer stattlicher Krieger, stand langsam auf.

„Folgt mir... ich will euch Allen etwas verdeutlichen.“

Wortlos standen alle auf und folgten ihm in den Burghof. Dort ließen sie sich die Reittiere bringen und Rahleg ritt durch das Tor voraus. Der Weg führte durch eine kleine Schlucht und die Wolken wurden dunkler und die Blitze heller. Teilweise kannten sie sich schon aus verschiedenen Kämpfen. Der Ton untereinander war rau, aber dennoch freundschaftlich. Keiner sprach mehr, als vor ihren Augen ein Kriegslager auftauchte. Überall waren Karren mit Nachschub an Proviant und Munition zu sehen.

Hinter dem Lager, erreichbar über eine große, steinerne Rampe, stand drohend ein riesiges Portal. Zu beiden Seiten schienen Wächter in Kutten zu schwarzem Stein erstarrt – unheimlich schimmernde gelbliche Augen schienen den Betrachter anzufunkeln. In ihren riesigen steinernen Händen befand sich je ein großes Schwert, senkrecht auf dem Boden stehend. Den Portikus zierte eine große Schlange mit weit aufgerissenem Maul, die fast zu leben schien.

Ruhig begann der Krieger zu sprechen:

„Draenei, Menschen, Kaldorei, Zwerge... wir haben uns hier versammelt, weil wir es nicht weiter zulassen wollen, dass unsere Welt von der anderen Seite bedroht wird. Und weil wir das Dämonengezücht aus Draenor vertreiben wollen, damit unsere Kinder wieder eine Zukunft haben. Durch dieses Portal kommen sie, wenn wir uns nicht davorstellen. Führt euch das vor Augen und macht euch klar, dass keiner von uns das Verderben alleine bezwingen kann."



Tirahn erhob nun ebenfalls seine tiefe Stimme:

„Recht hat er der Mensch ! Es wird Zeit, dass die Scherbenwelt gereinigt wird. Auf der Höllenfeuerhalbinsel sollen die Vögel wieder fliegen. Im Schattenmondtal sollen wieder Bäume sprießen. Draenor soll wieder Leben! Die Legion muss fallen! Die Konstruktionslager und -basen müssen vernichtet werden. Wir dürfen nicht den gleichen Fehler machen wie damals die Eredars! Aber wir müssen uns wehren!
Für unsere Freunde, unsere Geliebten, unsere Verwandten und für unsere zukünftigen Kinder!“

Ein Nicken und Raunen ging durch die Gruppe.

Thessália, eine Kaldoreipriesterin, sah die Anderen an und sprach dann ruhig und überlegt:

„Lasst uns zurückreiten und besprechen, was zu tun ist.“


Wieder zurück auf Burg Nethergarde begann eine heftige Diskussion, ob man sich überhaupt zusammenschließen sollte und wenn ja, wie das aussehen könnte. Alle Anwesenden brachten ihre Meinung ein und manch einer stand der Sache misstrauisch gegenüber. Inzwischen war auch Daerfel, ein mutiger Zwergenjäger, eingetroffen. Er lockerte das Ganze mit einer Ladung Bier auf.

Eladriel stand allem sehr misstrauisch gegenüber, geprägt von vergangenen Erfahrungen.


„Und die da“,
sie zeigte auf die Weltenwanderer, „wollen sie nicht nur die Führung übernehmen?“


So gab ein Wort das Andere, bis die zweite Druidin, Iriella, aufstand und auf den Tisch schlug.


Schlagartig setzte Stille ein.
„Was wollt Ihr eigentlich? Euch streiten, wer die Führung übernimmt? Euch die Köpfe einschlagen, damit die Legion sich freut? Über einen Krieg diskutieren, der längst im Gange ist? Entweder, Ihr lasst euren Worten jetzt Taten folgen oder ich werde diesen Tisch verlassen. Das Reden muss ein Ende haben!“

Mit verschränkten Armen stand die hochgewachsene Kaldorei vor den Anderen und schaute sie auffordernd an.

Eladriel schüttelte den Kopf : „Seid ihr denn alle verrückt? Einen Kampf gegen die Legion können wir nicht gewinnen! Versteht ihr das nicht?“

Sie sah in die Gesichter der Anwesenden und als sie dort den Willen zu kämpfen sah, verlies sie wutentbrannt über soviel Unvernunft den Saal.

Die Anderen sahen sich an und beschlossen, dass es ein zweites Treffen geben müsste, wenn sich die Gemüter beruhigt hätten.

Und so war es dann auch.

Es wurden noch ein paar Treffen in Burg Nethergarde abgehalten. Man erzählte sich einiges, stellte sich auch genauer vor. Es war dann auch recht bald beschlossen, das es zu einem Bündnis kommen würde. Ein Bündnis, das beide Gemeinschaften beträchtlich verändern würde.

Als dieser Entschluss endlich gefasst war, ging es schnell. Da sie die letzte Bastion vor den Dämonen waren... das Portal in greifbarer Nähe... wurde beschlossen, Burg Nethergarde zu ihrem Hauptquartier zu machen.

Drei aus ihrer Mitte wählte man zum Rat der neuen Gemeinschaft: Thessália Shen´dralor, die Kaldorei – Rahleg Hardroon, den Menschen und Tirahn Wipfeltanz, den Draenei.



Und schließlich einigte man sich einstimmig auf den Namen der neuen Gemeinschaft, die gegen die Legion und die Geissel stehen sollte – in Freundschaft vereint und von dem Willen beseelt, die Dämonen und die Geißel endgülitig aus ihrer Welt zu vertreiben:

DIE BASTION